Handball-Umschau: Nach der Fusionswelle der 80er- und 90er-Jahre, die teilweise gigantisch lange Klub-Bezeichnungen zutage förderte, drängen jetzt Wortneuschöpfungen und plakative Zusätze auf den Markt. Christian Sprdlik hat da noch etwas in petto. Nein, gemeint ist ausnahmsweise nicht ein neuer Spieler. Den wird der umtriebige Geschäftsführer der TSG A-H Bielefeld sicher auch bald vorstellen, doch jetzt geht es um etwas Grundsätzlicheres.

Schon zu seinem Dienstantritt in Bielefeld brachte Sprdlik einen Markennamen mit: "HandbOWL", ein Neologismus, zusammen gebastelt aus Handball und Ostwestfalen. In der Öffentlichkeit hat Sprdlik diesen bislang nur sehr dosiert propagiert. Doch im Hinterkopf ist die Produktbezeichnung längst fest verankert. Irgendwann, wenn die Aufstiegsbemühungen Früchte tragen und sich die Bielefelder in hohen Ligen etabliert haben, wird sie wieder vermehrt auftauchen. Aber der Manager weiß auch, dass man ein etabliertes Produkt, in diesem Fall einen Vereinsnamen, nicht mit Gewalt verändern sollte. Das gibt meistens Ärger mit den Urgesteinen der Klubs. Mit zarten Änderungen von TSG Altenhagen-Heepen über HSG 02 Bielefeld, TSG Bielefeld zu TSG A-H Bielefeld hat die erste Mannschaft in den vergangenen Jahren ohnehin schon eine wechselvolle Geschichte erlebt.

Die Entwicklung der Vereinsnamen zu verfolgen, kann durchaus interessant sein. In den 80er- und 90er-Jahren begann im Handball die Fusionswelle. Nachdem jedes Dorf seinen eigenen Klub hatte, brachten Zusammenschlüsse teilweise gigantische Wortgebilde zutage. Jeder Verein wollte natürlich auch im neuen Namen vorkommen. Also entstanden Klubs wie die HSG Stemmer/Friedewalde, der SV Böllhorst/Häverstädt oder die HSG Schröttinghausen/Babenhausen. Letztere versuchte es kurzzeitig mit der einfachen Lösung als HSG Nordwest Bielefeld. Zu viele fanden sich in dem eigentlich einprägsamen Namen nicht wieder, und so ruderte man zurück - sehr zum Leidwesen sämtlicher Zeitungsredaktionen, denn der Name sprengt schließlich jede Tabellenzeile.

Die Klub-Bezeichnungen nahmen geradezu epische Ausmaße an. Höhepunkt war sicher die Gründung der JSG Nordhemmern/Südhemmern/Mindenerwald. Im Land zwischen Weser und Wiehen brach sich aber auch die nächste Stufe der Namensgebung Bahn: Immer häufiger tauchen Wortneuschöpfungen oder martialische Zusätze auf. Die Menden-Sauerland Wölfe, die Bergischen Panther oder - zurück hinter den Wiehen - LiT Tribe Germania. Nachdem sich zu den Stammvereinen Nordhemmern, Südhemmern und Mindenerwald auch noch Holzhausen II gesellt hatte, musste eine Kurzversion her. Aus LiT Handball NSM wurde LiT Handball und 2016 nach Beratung durch eine PR-Agentur, LiT Tribe Germania. Übersetzt heißt das Germanischer Stamm. Spötter würden sagen, dass die an der Fusion beteiligten Orte mit jeweils nicht mal 1.500 Einwohnern ohnehin kaum über die Stammeskultur der Germanen hinaus gekommen sind. Doch daran haben die Macher wohl nicht gedacht. Eine neue Identität sollte geschaffen werden. Woher die Handballer genau kommen, wird nebensächlich. Dass es clever war, sieht man schon daran: LiT (mit kleinem i) steht nicht für den gleichnamigen Sponsor, sondern für "Leistung im Team". Selbst im Internetportal sis-handball ist das aber falsch geschrieben. Zudem hat sich "LiT" als Kurzbezeichnung längst durchgesetzt. Der Geldgeber wird frohlocken.

Glücklich sind die Vereine, die schon mit ihrem Kürzel ein Alleinstellungsmerkmal besitzen: Der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck ist einer davon. Einen TuS 97 gibt es nur einmal. Ähnliches gilt für die HSG EGB Bielefeld. Das hier Eintracht, Gadderbaum und Brackwede vereint sind, muss nicht mehr ausdrücklich erwähnt werden, denn "EGB" steht längst für den einen Klub - es gibt schlicht kein zweites EGB in der OWL-Handballszene.

Da hat es die TSG A-H Bielefeld schwerer. Eine TSG, die findet man öfter (in Harsewinkel zum Beispiel). Genau das wird Christian Spridlik zu gegebener Zeit ändern und sein HandbOWL platzieren. Noch muss sich aber keiner Sorgen um "seine TSG" machen. Zuerst steht der sportliche Erfolg im Vordergrund. Die "Marke", das weiß der Geschäftsführer nur zu gut, muss langsam wachsen. Er wird es mit Fingerspitzengefühl angehen.

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