1. Herren | Westfalen-Blatt (Jörg Manthey) | 31.05.18
Handball-Oberligist TSG A-H Bielefeld verpflichtet 14-maligen Nationalspieler als Trainer. Stephan Just (39), in der Szene als »Apollo« bekannt, trainiert den Handball-Oberligisten TSG A-H Bielefeld in der kommenden Saison – hauptamtlich! Mit dem langjährigen Bundesligaprofi und A-Lizenzinhaber hat Geschäftsführer Christian Sprdlik seinen Wunschkandidaten auf die Boy-Nachfolge bekommen. Dienstag wurde Just der Mannschaft vorgestellt. Trainingsauftakt ist am 2. Juli.

Start frei für »Apollo«. Die Chemie habe auf Anhieb gestimmt, erzählt Sprdlik begeistert. »Stephan bringt genau das Profil mit, das wir wollten. Er verfügt nicht nur über eine wahnsinnige Handball-Erfahrung, sondern ist auch ein Riesentyp; sympathisch, authentisch und zielstrebig.« Es gebe »viele gemeinsame Vorstellungen über die Weiterentwicklung der Mannschaft«, heißt es.

Stephan Just, in Minden zu Hause, gehört mit 1861 Toren in 448 Bundesliga-Spielen zu den elf torgefährlichsten Spielern der Ligageschichte. Dazu kommen 18 Treffer, die er in 14 Länderspielen für Deutschland erzielte. Zu dieser Referenz gesellt sich, dass er seit 13 Jahren in Minden wohnt und damit als ostwestfälische Persönlichkeit durchgeht. »HAND.B.OWL ist ein sehr interessantes, innovatives Projekt hier in Bielefeld, durchdacht und strukturiert. Der Verein hat Visionen und eine klare Vorstellung. Das hat mich beeindruckt«, erklärt Just, warum er sich für zunächst eine Saison auf einen Job in der vierten Liga einlässt. »Bis auf ein halbjähriges Engagement beim ASV Hamm-Westfalen bin ich ja noch Trainer-Novize. Auch wenn das eine tolle Sache war, eine Riesenchance, die ja auch funktioniert hat. Ich freue mich, meine Erfahrungen jetzt an die TSG weitergeben zu können.« Just hatte den Verein nach der Beurlaubung von Niels Pfannenschmidt zum Beginn der Rückrunde übernommen emotional und zum Klassenverbleib geführt.

Mit dem neuen Kreisläufer Mario Bergen hat er in Hamm schon zusammengespielt. Die Rückraumasse Richard Sundberg und Maximilian Schüttemeyer kennt er als Sportler und schätzt sie als feine Charaktere. »Hier ist eine richtig gute Mannschaft beisammen, eine grundsolide Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Alle sind heiß, etwas zu erreichen. Ich möchte die Jungs individuell und auch als Team weiterbringen. Das wird eine hervorragende Zusammenarbeit.« Just vertritt eine klare Philosophie. »Dynamisch, innovativ, kreativ« soll der Handball der TSG in der Spielzeit 2018/19 sein. »Ich bin ja noch nicht so lange raus und denke noch als Spieler. Das dürfte den Jungs in ihrer Entwicklung zugute kommen. Auch wenn ich klar strukturiert an die Sache herangehe, so bin ich mir doch nicht zu schade, auch Ideen von Spielern zu übernehmen.« Es sei wichtig, sich Etappenziele zu setzen, individuell und als Mannschaft, betont Just. Das Gesamtpaket ist ihm natürlich bewusst. Christian Sprdlik: »Wir wollen aufsteigen. Das ist uns im ersten Anlauf nicht gelungen. Da kann sich jeder normal denkende Mensch an zwei Händen abzählen, was diesmal dran ist!« Dafür wird die Schlagzahl erhöht: Unter Just soll ein zusätzlicher Team-Trainingstag eingeführt werden. Auftakt der ersten Trainingsphase ist am 2. Juli (bis 15. Juli). Die zweite Phase, die in die Meisterschaft mündet, beginnt am 30. Juli. Just: »Ich bin kein Fan von zweigeteilten Vorbereitungsphasen. Aber es ging nun mal nicht anders.« Aktuell steckt Sprdlik noch in Vertragsverhandlungen mit Johannes Krause, der mit Youngster Vincent Kroll als Mittelmann vorgesehen ist.

Kommentar

Nach Vitomir Arsenijevic (1993/94), Pero Janjic (1994), Danilo Loncovic (1996-1998) und Leszek Krowicki (1998/99), allesamt zu Zweitligazeiten, setzt die TSG A-H Bielefeld zum fünften Mal in ihrer Vereinshistorie auf einen hauptamtlichen Coach. Stephan »Apollo« Just ist eine gute Wahl, auch wenn der A-Lizenzinhaber eher Trainer-Novize ist. Für die Mission Aufstieg bringt der 39-Jährige die Autorität eines reichhaltigen Erfahrungsschatzes als Aktiver mit. In 448 Bundesligaspielen hat der Allrounder, 14 Mal auch für Deutschland am Ball, alles Mögliche von dem durchlebt, was die TSG an Qualitäten benötigt, um im Mai 2019 ans Ziel ihrer Wünsche zu gelangen. Just kann sich in der Saison voll auf die TSG fokussieren. Gelingt es ihm, mit solcher Hingabe und Leidenschaft, die ihn schon als Spieler ausgezeichnet haben, aus dem neuformierten TSG-Jahrgang das vorhandene Potenzial herauszukitzeln, sollte – Stand heute – kein anderer Oberligist das Format besitzen, diese TSG ein zweites Mal auf Platz zwei zu verweisen. Glückauf, Apollo Just. Jörg Manthey

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