1. Herren | Westfalen-Blatt (Jörg Manthey) | 08.03.18
Stadtderby passt gut zum 25. Jubiläum der Seidensticker Halle. Die Ansetzung dieses Kassenschlagers im Märzen 2018 ist wie gemalt. Dass sich am Sonntag (17 Uhr) die TSG A-H Bielefeld und der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in der Handball-Oberliga duellieren, ist ein attraktiver innerstädtischer Programmpunkt passend zum 25. Jubiläum der Seidensticker Halle.

Schließlich hatte der Handball 1993 den neu erstellten Sporttempel im Sturm erobert und seither Zeit Geschichte(n) geschrieben. Die TSG Altenhagen-Heepen um Kapitän Heinrich Rödding begeisterte in den Play-offs zur 2. Bundesliga die ganze Stadt und entfachte eine rot-blaue Handball-Euphorie, die seit einem Vierteljahrhundert ihresgleichen sucht.

Gänsehaut-Atmosphäre
In drei Gruppenspielen sowie dem entscheidenden Finale gegen den TV Vallendar (21:15) strömten mehr als 15.000 begeisterte Zuschauer in die Seidensticker Halle – Gänsehaut-Atmosphäre! Im Mai 1993 war der sensationelle Bielefelder Aufstieg in die 2. Liga perfekt. Ein Jahrzehnt lang sammelte die TSG auf dem Handball-Zweitligaparkett spannende Erfahrungen; nicht immer positive. Der Verein kam ob seiner Struktur an Grenzen. Das allseits geschätzte und lieb gewonnene Familiäre, das der TSG anhaftete, angereichert um guten Willen, sollte letztlich nicht reichen. Es mangelte an der nötigen Professionalität, um auf diesem Niveau kontinuierlich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das Netzwerk hat gefehlt
»Aufgrund eines fehlenden eigenen Netzwerks hat sich die TSG irgendwann zu sehr auf Spielervermittler verlassen. Die Zusammensetzung der Mannschaft passte zuletzt nicht mehr«, kritisierte etwa Diethard von Boenigk, der die TSG als Regisseur 1991 in die Regionalliga und 1993 in die 2. Bundesliga geführt hatte.

Kurze Ehe mit dem TuS 97
Auch der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck schrieb im Sommer 20o2 an einem gemeinsamen Kapitel mit. HSG 02 Bielefeld nannte sich das Konstrukt dieser Handball-Ehe, die unter keinem guten Stern stehen sollte. Gleich in der ersten Saison 2002/03 stieg die Mannschaft unter Trainer Martin Räber, der zuvor Norbert Gregorz abgelöst hatte, als Tabellenletzter aus der 2. Bundesliga ab. In der folgenden Regionalligaserie konnten Michael Boy und Co. mit Mühe den Klassenverbleib erkämpfen. Anhaltende interne Querelen hatten schließlich die Scheidung des Irrtums zur Folge. Der TuS 97 verließ die Spielgemeinschaft wieder und übernahm 2004 den Platz der zweiten Mannschaft in der Verbandsliga.

»Einfach reingerutscht«
1993. »Ich erinnere mich noch gut an die Zeit damals«, sagt Heinrich Rödding. Die sei allerdings mit heute nicht zu vergleichen. »Wir planen hier im Augenblick eine mittelfristige Zukunft mit etabliertem Handball. Vor 25 Jahren sind wir einfach reingerutscht in eine Geschichte, die so niemand erwartet hat«, spricht Rödding etwa »Zufälligkeiten in der Play-off-Runde« an. »Wir sind förmlich überrannt worden, auch von den Zuschauern.« Ebenfalls dabei: Ingo Franz (50). »Das war einfach einmalig«, schwärmt auch er. Franz bestritt 1998 seinen letzten Einsatz im Dress der »Ersten«, ehe es ihn für ein Jahr zum TuS 97 zog. Trainer dort war zu der Zeit Martin Räber. 2011 wurde Franz anlässlich des 25. Geburtstages der TSG zum Mittelmann des All-Star-Teams gewählt. Er prophezeit: »Die Seidensticker Halle kann wieder so voll werden wie damals; wenn wir in der 2. Bundesliga oben mitspielen.« Nicht nur Rödding und Franz gehören als Helden der 93er-Aufstiegsmannschaft heuer zu regelmäßigen Besuchern der TSG-Spiele. Auch Carlo Börsting, Volker Wöstenfeld oder Betreuer Peter Kempe sind oft gesehene Gäste.

Derby wird Familienevent
Mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer Christian Sprdlik ist bei der TSG inzwischen ein hohes Level an Professionalität eingekehrt – bloß die adäquate Spielklasse fehlt noch als Produkt. Der Sonntag-Schlager soll zeigen, dass Handball und Bielefeld gut zusammenpassen. »Für den hiesigen Handball ist dieses Stadtderby eine große Sache. Wir machen daraus ein Familienevent. Cheerleading gehört zum Programm, und unser Maskottchen Teo hat Überraschungen für die Kleinen parat«, freut sich Christian Sprdlik – in jungen Tagen übrigens selbst mal zwei Jahre Flügelflitzer in Jöllenbeck (2000-2002) – auf eine festliche vierstellige Kulisse. Und hofft, dass die TSG Sonntag die nächsten beiden Punkte auf dem Weg in die 3. Liga einsammelt gegen einen Gegner, der allerdings »nichts zu verschenken« habe.

Rödding mag’s rustikal
Geht es nach Christian Sprdlik, ist es am Sonntag bis auf Weiteres das letzte Ortsderby gegen den TuS 97 auf Meisterschaftsebene. Am Ende der Saison soll ja schließlich die Drittklassigkeit stehen. Dazu als Jubiläumszugabe – 25 Jahre danach – die Renaissance eines Handball-Hochgefühls in der Teuto-Metropole. Heinrich Rödding wünscht sich erstmal ein atmosphärisches Derby, in dem sich für 60 Minuten nicht jeder lieb hat. »Früher waren das ganz andere Spiele gegen Jöllenbeck. Das war immer eine Hauptattraktion, bei der es richtig rustikal zur Sache ging.«

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