1. Herren | Westfalen-Blatt (Jörg Manthey) | 23.01.18
Geschäftsführer Sprdlik ist ein »Freund der Ruhe«. 22:4 Punkte. Die TSG A-H Bielefeld hat als Tabellenzweiter immer noch eine passable Hinrunde gespielt, daran ändert auch der bedenkliche Schiffbruch beim VfL Mennighüffen nichts. Die Entwicklung der Vorwochen verwässert die Halbzeitbilanz freilich. Der Ex-Primus ist etwas vom Kurs abgekommen.

Michael Boy hatte sich noch am Sonntag die Spielaufzeichnung zu Analysezwecken angeschaut. Das trübte seine Stimmung noch mehr. »Wir wollten gar nicht gewinnen. Das ärgert mich am meisten«, lautete eine bittere Erkenntnis des Trainers. »Das Spiel ist einfach so dahingeplätschert. Nach dem 15:12 haben wir vier Bälle unmotiviert weggeworfen. Das geht nicht!« Boy attestierte seiner Crew »eine schlechte bis durchschnittliche Leistung. Wir sind nicht gut genug, um das Programm einfach so abzuspulen. Dafür reichen unsere Möglichkeiten nicht aus. Wenn wir nicht voll da sind, dann schlägt uns jeder.«

Der »Halblinke« Arne Kröger, der an früherer Wirkungsstätte blass blieb, urteilte enttäuscht: »Wir haben konzeptlos gespielt.« Selbst der starke Wille, das Spiel mit einem späten Kraftakt noch herumreißen zu wollen, blieb diesmal auf der Strecke. Boy: »Wir wollten es nicht erzwingen.«

TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik, gestählt aus seinen Jahren beim Bundesligisten TBV Lemgo (»Da habe ich ganz andere Situationen durchgemacht«), wirkt noch entspannt. »Ich habe immer gesagt, dass wir hier nicht das Modell Brechstange fahren. Natürlich spielen wir schlechter als zu Saisonbeginn. Aber es ist nichts passiert. Die Saison ist noch lang.« Sprdlik betont, er sei »ein Freund der Ruhe.« Wildwest oder Harakiri sei aktuell fehl am Platze. »Wir werden das intern, seriös und zielorientiert klären. Es regnet auch mal im Laufe der Saison. Unsere Aufgabe ist es jetzt, wieder Sonnenschein reinzukriegen. Das geht nur, wenn wir Schulter an Schulter zusammenstehen.« Dass im Lauf einer Serie Schwächeperioden auftreten, sei »vollkommen normal. Wir können uns da nur selber rausziehen.«

Sprdlik und Boy kamen am Montag zu einem schon länger geplanten Gedankenaustausch zusammen. Die Analyse sei fruchtbar gewesen, meinte Boy, der in dieser Woche auch Einzelgespräche suchen will. »Das bislang Erreichte ist nicht selbstverständlich. Die Mannschaft muss verstehen, dass wir nicht viele Suppen kochen dürfen, sondern nur eine.« Die unerklärbare Vielzahl an frühen und unnötigen Abschlüssen in Mennighüffen habe deutlich aufgezeigt, »dass die kleinen Zahnräder nicht ineinander greifen, sondern jeder für sich arbeitet.« Betrübliche Konsequenz: die erste Auswärtsniederlage.

Im Rahmen seiner A-Lizenzausbildung hospitiert Michael Boy in dieser Woche bei GWD Minden. Samstag geht’s zum Tabellendritten VfL Gladbeck, der sich nach elf ungeschlagenen Spielen mit 19:3 Punkten an das Führungsduo herangepirscht hat. Die TSG, die den Gegner im Hinspiel 33:21 überrollt hatte, sollte schleunigst die Kurve kriegen. Sonst droht der nächste, dann folgenreichere Absturz.

»Der Zähler ist auf Null gestellt«, erklärt Christian Sprdlik ruhig und sachlich. »Wir haben den gleichen Status wie vor der Saison. Die Mannschaft muss dran glauben, dass sie wieder eine hervorragende Serie starten, sich in einen Rausch spielen kann. Was vorher gut war, kann auf Dauer nicht schlecht sein.«

Die TSG-Tore nach der Hinrunde: Hinz (86/27), Krause (55/3), Kastening (45/1), Strathmeier (43), Prüßner (42), Sewing (42), Kröger (39), Schuwerack (26), Zwaka (8), Fröbel (7/1), Kirsch (6), Rydergård (2), Ortmann (2), Kroll (2), Hendrich (1).

Kommentar

Der 23:25-Reinfall beim VfL Mennighüffen samt Verlust der Tabellenspitze zur »Halbzeit« ist wohl kein Beinbruch, gleichwohl ein gellender Warnpfiff. Der entthronte Primus hat den angestrebten Aufstieg in die 3. Bundesliga immer noch selbst in der Hand; doch Obacht: Dies gilt genauso für den TuS Spenge, der dazu das Momentum auf seiner Seite hat. Dem Klassiker am 17. März kommt Endspielcharakter zu, sollten sich beide Klubs bis dahin schadlos halten. Bei einem Spenger Triumph auch im Rückspiel hätte der OWL-Nachbar die allerbesten Karten, selbst den Sprung nach oben zu schaffen; die TSG wäre dann auf Fremdhilfe angewiesen. Ein ganz tückischer Blick in die Glaskugel, denn in dieser gefährlichen Liga ist jedes Match ein Endspiel! Das hat die TSG gerade leidvoll erfahren müssen. Nur wer jeden Spieltag 100 Prozent seiner Qualitäten abruft, auch gegen die vermeintlich »Kleinen«, wird am Ende oben stehen. Die TSG ist in ihrer aktuellen Verfassung weit davon entfernt. Leider. Jörg Manthey

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