Es trafen die wahrscheinlich besten Mannschaften der Spielklasse aufeinander. Am Ende verliert die TSG A-H Bielefeld mit 24:27 gegen die Herforder. Auf Grund der offensichtlichen Überlegenheit der Gäste nach Wiederbeginn ist die Drei-Tore-Niederlage für die Gastgeber schmeichelhaft

Schon eine Stunde vor Spielbeginn war der Jahnplatz fest in Händen hunderter Handballfans: Bekannte Gesichter aus Jöllenbeck, zahlreiche neutrale Handballzuschauer aus ganz Ostwestfalen und TSGer, die sich mit Fanschals kenntlich machten, stürmten die Busse Richtung Seidensticker Halle. Weit vor Anpfiff waren Sitzplätze schon absolute Mangelware. Rekordverdächtige 3.400 Zuschauer, so die später nach oben korrigierte Zahl, wollten das Oberliga-Spitzenspiel sehen, womit niemand der TSG-Verantwortlichen rechnen konnte - ein Handball-Fest!

Von Beginn an entwickelte sich ein kampfbetontes Derby mit einigen Scharmützeln, in dem Spenge eine sehr gute, die TSG, nach starker Anfangsphase, hingegen eine nur mäßige Leistung zeigte. "Wir haben gut gekämpft, aber der letzte Punch war nicht da", erkannte TSG-Regisseur Marius Kastening, der ab der 15. Minute nicht mehr mithelfen konnte und schmerzlich vermisst wurde. Im Fallen sei es irgendwie passiert, berichtete Kastening, der jetzt über ein steifes linkes Knie klagt. Eine MRT-Untersuchung soll zeitnah Klarheit über die Schwere der Verletzung bringen.

Für die Highlights der besonderen Art sorgten aus Bielefelder Sicht zunächst die Keeper: Maximilian Kroll hatte nach zehn Minuten schon sechs Würfe gehalten. Und Felix Hendrich, der Krolls Platz bei den Siebenmetern übernahm, entschärfte in der Anfangsphase zwei Versuche von Phil Holland.

»Ein Bauchgefühl - Kevin war auch ziemlich überrascht«

Im Gästetor wurde aber auch Kevin Becker immer besser. Doch, für viele überraschend, schenkte Spenges Trainer Heiko Holtmann ab der 32. Minute Bastian Räber das Vertrauen, nachdem er einen Siebenmeter von Julius Hinz gehalten hatte. "Ein Bauchgefühl - Kevin war auch ziemlich überrascht. Aber bei unseren zwei guten Torhütern war es schon ziemlich schwer zu entscheiden, wer überhaupt anfängt. Ich hatte das Gefühl, dass Basti zum Faktor werden kann", erläuterte Holtmann. Räber hielt auch prompt einen weiteren Versuch von Hinz - und gewann das Duell gegen die TSG-Torleute in Durchgang zwei deutlich. "Wir hatten uns vorgenommen, Spieler zu Entscheidungen zu zwingen, die sie sonst nicht treffen müssen", verriet Spenges Sebastian Reinsch die Spielidee der Gäste. Während sich die Spenger - insbesondere nach Wiederbeginn - in schöner Regelmäßigkeit günstige Chancen erspielten, blieb die TSG häufig im körperlich unheimlich präsenten Spenger Innenblock um Gordon Gräfe und Oliver Tesch hängen. Arne Kröger, erst in der Schlussphase ein sicherer Schütze, und Nils Prüßner hatten gewaltige Probleme. "Wir haben Abschlüsse genommen, die wir so nicht haben wollten", erkannte TSG-Trainer Michael Boy.

Das Momentum schien spätestens ab dem 21:16 (47.) vollends auf Seiten der Gäste: Die Ex-TSGer Phil Holland und Leon Prüßner sowie Sebastian Reinsch übernahmen jetzt viel Verantwortung. "Am Anfang der Saison haben wir uns daran gewöhnen müssen, mit Rückschlägen umzugehen. Das hat uns heute, als es knapp zuging, geholfen", meinte Spenges emotionaler Anführer Reinsch. Die Gastgeber ihrerseits trauerten ein wenig der abhanden gekommenen Struktur im Angriffsspiel hinterher: "Je länger das Spiel ging, desto weniger Struktur habe ich erkannt. Das müssen wir selbstkritisch anerkennen", meinte Trainer Boy, der nach außen gefasst, innerlich fast explodiert wäre, als die Niederlage feststand. "Spiele, die in dieser Saison knapp waren, haben wir am Ende auf Grund unserer individuellen Klasse gewonnen", bemerkte der mit zehn Toren beste Bielefelder Johannes Krause. "Wenn das nicht klappt, heißt es, dass es an Struktur gemangelt habe. Uns fehlte die Erfahrung gegen einen Gegner, der dagegen hält. Spenge hat flexibler gespielt", erkannte Krause und fügte hinzu: "Wir hätten aus der guten Deckung der ersten 40 Minuten mehr Kapital schlagen müssen. Jetzt wollen wir zusehen, dass wir das nächste Spiel wieder gewinnen. Niemand hat erwartet, dass wir ungeschlagen aufsteigen."

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15.12.2017, 20:00 Uhr | Live
Seidenstickerhalle, Werner Bock Str., 33602 Bielefeld

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