Bielefeld. Luca Sewing, Linkshänder in Diensten der TSG A-H Bielefeld, überzeugt im Altkreis Halle auch als guter Tennisspieler und ist sogar umworben.

Ein Samstagabend Ende September. Es läuft die 37. Minute des Spitzenspiels der Handball-Oberliga zwischen der TSG A-H Bielefeld und LiT Tribe Germania. Luca Sewing ist kurz zuvor eingewechselt worden, wird lang geholt und netzt blitzsauber zum 19:14 ein. Eins von bislang 18 Saisontoren des groß gewachsenen Linkshänders.

Schlaksig - das ist der Eindruck, den der 2,02 Meter große Sewing bei den meisten Fans hinterlässt, wenn er auf dem Handball-Parkett steht. Aber er hat sich nach dem großen Umbruch, dem er nicht zum Opfer gefallen war, im neu formierten Kader einsortiert. In seinem zweiten Jahr bei der TSG überzeugt er mit guten Quoten, und wirkt mit seinem erfahrenen Nebenleuten viel treffsicherer als noch in der Vorsaison.

»Für die Winterrunde habe ich mal in Gütersloh zugesagt«

Zeitsprung zurück in den Sommer: Ein Tennisplatz im Kreis Gütersloh. Es läuft das Finale des B-Feldes der Kreismeisterschaften. Luca Sewing ist einer der Endspielteilnehmer. Er holt den "kleinen" Titel. Etwas später gewinnt er im entscheidenden Spiel der 1. Kreisklasse sein Einzel für den TC Blau Weiß Werther und steigt mit dem Team in die Kreisliga auf (Gesamtbilanz seiner Einzel: 5:0). Nach diesem erfolgreichen Sommer erhielt Sewing ein überraschendes Angebot vom TC SVA Gütersloh - einem Verbandsligisten. "Für die Winterrunde habe ich mal zugesagt. Aber da haben sie einen riesen Kader. Vielleicht werde ich einmal spielen", sagt der Mann mit der Leistungsklasse 13. "Das ist nicht überragend, aber ich habe mich in diesem Sommer immerhin von LK 18 auf LK 13 verbessert", ordnet Sewing den Wert ein.

Bei allen Erfolgen mit der gelben Filzkugel bleibt der meist von Harz verklebte Handball doch Sewings Haupt-Arbeitsgerät. "Mein Vater wollte immer mehr, dass ich Handball spiele", erinnert sich der Student, der aber auch schon seit 15 Jahren den Tennisschläger schwingt. In dieser Saison ist der Halbrechte auf dem Handballfeld nach eigener Aussage "viel ruhiger geworden. Ich bin der zweite Mann auf meiner Position, aber das ist okay. Die Neuzugänge sind super nett und ich profitiere von ihnen", sagt er.

Handball und Tennis auf gehobenem Niveau - passt das überhaupt zusammen? "Na ja, beim Aufschlag ist es etwas wie beim Sprungwurf, aber sonst gibt es wohl wenig Parallelen", findet Sewing und tritt damit gleich den Beweis an, dass er durchaus über einige koordinative Fähigkeiten verfügen muss - von wegen schlaksig also.

Mittlerweile sind Leistungssportler, die in gleich zwei Wettkampfsportarten erfolgreich antreten, selten zu finden. Zu professionell und zeitintensiv scheint auch der Amateursport mittlerweile zu sein. In der Historie findet man häufig die Kombination Handball und Leichtathletik, wie beim 2010 verstorbenen Gerd Meise, Handballer in Altenhagen und 60-Meter-Speerwerfer. Auch der ehemalige Bundesliga-Torwart Fynn Holpert schleuderte den Speer über 60 Meter weit, allerdings im Anschluss an seine Handballkarriere. Der ehemaligen Bundesligaspieler Helmut Bußmeyer hält mit 43,90 Metern immer noch den U-23-Kreisrekord im Diskuswurf. Da schließt sich ein Kreis, denn Bußmeyers Sohn Florian stand bis zum vergangenen Jahr mit Luca Sewing gemeinsam für Werther auf dem Tennisplatz.

Für Luca Sewing ist das nächste sportliche Highlight längst definiert: Er will mit der TSG den Aufstieg in die 3. Liga schaffen. Einen Pokal wird es dafür nicht geben, aber dafür kann er sich ja seine Tennis-Trophäen aus dem Jahr 2017 anschauen.

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